Besuch im Weingut Klaus Zimmerling

Rysselkuppe

Die Rysselkuppe besuchen wir ja immer wieder mal gerne – weil es dort erstens sehr sehr schön ist und weil dort zweitens mit Klaus Zimmerling und Malgorzata Chodakowska zwei liebenswert-feinsinnige Menschen den Aufenthalt jeweils auf ihre ganz eigene Art zum Erlebnis machen. Wir hatten Besuch von einem befreundeten Weinhändler aus Hildesheim – und der einen Termin im Weingut Klaus Zimmerling, weil er sich vor Ort einmal ansehen wollte, was er daheim und unterwegs über den Umweg des Weinglases irgendwie schon kennen gelernt hat.

Weingut ZimmerlingEs war ein wunderbarer Samstagvormittag für einen Besuch im Weinberg mit anschließender kleiner Weinprobe. Also nicht so heiß, anfangs hohe Wolken, später mit blauem Himmel. Der Empfang vor dem Haus ist wie immer grandios – die Bronzepskulptur Primavera von Malgorzata Chodakowska steht da und sprudelt vor sich hin aus güldenem Haar. Wenn sie mal hochsehen würde, hätte sie einen fantastischen Blick über Reben ins Elbtal und weiter bis in die Sächsische Schweiz. Aber natürlich sieht sie nicht hoch, weil sie ja eine Skulptur ist. Mehr davon gibt’s übrigens (nach Voranmeldung) im Haus, noch mehr in diesem Jahr noch in einer Sonderausstellung „Vis-à-vis. Małgorzata Chodakowska (Skulpturen) & Frieda von Weissenfels (Fotografien)“ bis zum 3. November im Schloss Pillnitz, nicht weit vom Weingut.

TraubenKlaus Zimmerling nimmt uns mit durch die Rebanlagen der Rysselkuppe. Hier Traminer, da Gewürztraminer, dort Riesling.  Die Frage aller Fragen derzeit (eigentlich ja immer): Wie sieht’s denn aus mit dem aktuellen Jahrgang? Die Antwort: Alles viel später als sonst – zwei Wochen mindestens. Aber ansonsten gar nicht so schlecht. Und was noch kommt, so wettermäßig, weiß doch kein Mensch! Was wir sehen: Der Winzer hat genug zu tun, wo gerade alles wächst. Da mal was ausgeizen, dann eine Rebe zügeln, die sich selbstständig gemacht hat. „Man könnte jeden Tag durchgehen und hätte immer genug zu tun!“ Könnte ist gut: Er muss jeden Tag in den Weinberg. Oder sein Mitarbeiter oder der Praktikant/die Praktikantin, wenn gerade vorhanden.

Klaus ZimmerlingManchmal sieht man die Weinbauern im Weinberg auch spritzen und fragt sich: Dürfen die das? Ja klar, auch wenn weitgehend biologisch gearbeitet wird – aus Überzeugung, und das von Anbeginn an. Denn natürlich muss man sich um die Pflanzen kümmern, und selbstredend kann man auch natürliche Dinge versprühen. Zimmerling macht’s, umweltschonend. Ein guter Wein, man kann es nicht oft genug sagen, entsteht nicht (nur) im Keller: Er wächst auf dem Weinberg. Und die Qualität des Weins hängt arg viel damit zusammen, wie sich der Winzer kümmert. Jeden Tag. Da kann es übrigens schon eine enorme Arbeitserleichterung sein, wenn die Reben parallel zum Hang gepflanzt sind: Das spart bei der Bearbeitung das ewige Hoch und Runter!

WeinkellerWobei „runter“ ein gutes Stichwort ist: Wir gehen runter zum Weinkeller. 2008 ist er in den Berg hinein gebaut worden, natürlich mit einer Sandstein-Fassade. „Alles andere wäre nicht ich!“ sagt Zimmerling. Drei Skulpturen von seiner Frau krönen den Sims, und wenn sich die Gelegenheit ergibt, einmal den Weinkeller zu besichtigen (und nicht in der Besenwirtschaft davor den traumhaften Blick in die Landschaft zu genießen), bekommt noch mehr von Malgorzata Chodakowska zu sehen. Zum einen einen ganzen Drubbel mit Skulpturen (ich habe elf gezählt, aber die Zahl kann sich ändern) und dann einen bezaubernden Brunnen, natürlich auch mit einer Figur der Künstlerin versehen. Das Wasser kommt aus dem Berg, und es ist unglaublich schmackhaft. Gut temperiert, mineralisch. Wenn’s dunkel ist im Keller (und das ist es meistens, nur fürs Foto mit den Stahltanks haben wir mal Licht angemacht), sieht man die Reflexionen der Wasseroberfläche an der Wand mystisch flackern und hört das Wasser munter plätschern.

Weinprobe Zimmerling 2013Schöne Temperatur im Keller! Aber draußen ging’s auch noch, und wir probierten einige Weine des noch aktuellen Jahrgangs 2011. 2011? Ja: Klaus Zimmerling lässt sich mit den Weinen Zeit. Den 2012er wird er erst im September vorstellen – da sind die, die im März schon ihre Weine abgefüllt haben, gegebenenfalls schon ausverkauft. Auf den Flaschen, Kenner wissen es, sind vorne pro Jahrgang immer die gleichen Etiketten – jeweils eine Skulptur von Malgorzata Chodakowska ist zu sehen. Die Infos findet man dann hinten, weiß auf schwarz. Die meisten der von uns probierten Weine gibt es auch in der Besenwirtschaft (in Gläsern mit 1/8l Inhalt zwischen 2,50 € und 4,50 €).

Klaus ZimmerlingWir starteten (nicht mit gefüllten Gläsern, sondern mit Probierschlucken!) mit einem 2011 Weißburgunder. Leicht und mit seinen 11 % Alkoholgehalt auch im Sommer gut zu genießender Wein. Wer’s mineralisch liebt, ist mit den Zimmerlingschen Rieslingen gut bedient. Besser als die wissenden Kollegen vom Gault&Millau könnte ich es auch nicht sagen, weswegen ich mal zitiere: „Die auf den Urgesteinsböden der Monopollage »Rysselkuppe« gewachsenen Rieslinge zeigen eine ganz eigene Stilistik. Schon der einfache Riesling glänzt mit viel Mineralität, bleibt aber relativ leicht. Gerade bei den »R«-Qualitäten zeigt sich dann diese exotische Fruchtfülle, alles im feinherben Bereich. Die Spitze stellt der Riesling »A« dar, ein kleines Monument. Nicht nur dicht, sondern auch fein und elegant, mit sehr großer Länge! Dabei werden die Weine nie zu dick und alkoholisch, eine Entwicklung, die uns sehr positiv stimmt.“ Wobei ich vielleicht einschieben sollte, dass der von uns verkostete „A“ aus dem Jahrgang 2009 stammte, ein schwieriges und ertragsarmes Jahr – aber bei Könnern mit hervorragenden Ergebnissen. Und die Steigerung dazu gab’s zum Abschluss: einen 2008 Riesling „AS“ Pillnitzer Königlicher Weinberg, bei dem man das „S“ im Label interpretieren kann wie man mag: super, süß – oder spitze, womit man beim Resümee des Gault&Millau wäre: „Zimmerling steht derzeit einsam an der Spitze der Region!“

[Besucht am 20. Juli 2013 | Weitere Berichte über Klaus Zimmerling]

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