30 Geschichten aus dem prallen Neustadt-Leben

Anton auf der Louise: 30 Geschichten aus dem Dresdner Szenestadtteil

Buchtitel Anton auf der LouiseEs sind die Nebensächlichkeiten, die den Charme ausmachen. Im wirklichen Leben, aber auch in der Beschreibung desselben – wenn sie denn gut ist. Eine kleine Sammlung mit 30 Geschichten aus dem Dresdner Szenestadtteil Neustadt gibt es jetzt als Buch: Anton auf der Louise heißt es. Ein anspielungsreicher Titel, der sich Kennern (und, natürlich, Kennerinnen) selbstverständlich sofort entschlüsselt: Anton ist Anton Launer. Und Anton Launer ist der Autor, bzw. (damit’s nicht gleich zu einfach wird) das Pseudonym des Autors Jan Frintert. Und wer ist Louise? Das ist selbstredend die Louisenstraße in der Neustadt. Wer die nicht kennt, kann sich ihr mit einigen der Geschichten nähern.

Anton Launer ist der Chronist der Neustadt. Angefangen hatte es mit einer Kolumne für die Sächsische Zeitung. Der gelernte Schriftsetzer/Drucker und studierte Kommunikationswissenschaftler hörte auch dann nicht auf, über die Neustadt zu schreiben, als die Kolumne aus der Zeitung verschwand. Wahrscheinlich beißen sich die Verantwortlichen heute sonstwo hin, denn es entstand das Neustadt-Geflüster als Online-Magazin für Dresden Neustadt und zeigt seit 15 Jahren, dass gut gemachter Online-Journalismus seine Leserinnen und Leser findet: 80.000, sagt Jan Frintert, kämen monatlich auf seine Seite.

Die Geschichten, die Frintert für das Buch zusammengetragen hat, sind alle schon mal im Netz erschienen. Dass sie vor der Drucklegung dennoch noch einmal durch ein Lektorat gingen, ist ein Indiz für die gewollte Qualität. Ziel erreicht? Oh ja! Die Kurzgeschichten des Journalisten Jan Frintert lesen sich flott hintereinander weg! Der Jan-Anton kann nämlich schreiben (hauptberuflich betreibt er die Textwerkstatt). Aber was mindestens genau so wichtig ist: Er kann beobachten und das Beobachtete dann wunderbar formulieren. Manchmal fragt man sich beim Lesen, ob der Herr Launer-Frintert nicht nur formuliert, sondern auch fabuliert? Wie groß mag – nicht nur bei der Geschichte mit dem Osterhasen, die ist ja offensichtlich – der kreative Anteil sein? Aber wahrscheinlich ist das Leben in der Neustadt so prall, mit der ganz alltäglichen Wahnsinnsmischung aus Sex, Schlägerei, schlechter Bedienung und unentdeckten Leichen.

Das Buch ist im Selbstverlag erschienen, hat etwas über 90 Seiten und ist mit zwölf Schwarzweiß-Fotos garniert. Anton auf der Louise kostet 9,80 € und ist an einigen Orten in der Neustadt (die üblichen Verdächtigen, u.a. Catapult, Büchers Best, Lesezeichen, Richters Buchhandlung, Hoteldebotel, Phase IV, Au Cherie, DRESDEN BUCH, Bischof 72) und im befreundeten linkselbischen Ausland (Haus des Buches und Buchhandlung im Sachsen-Forum) käuflich zu erwerben. Online beim Neustadt-Geflüster geht’s natürlich auch.

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