Warum wir mal keine Austern aßen

Ein Mittagessen im Restaurante O Camilo bei Lagos/Algarve

Restaurante o Camilo

Die Lage ist erstklassig, direkt am Strand oberhalb der wunderbaren Bucht Praya do Camilo. Das Gebäude ist modern und bekannt für – nun ja, wofür? Da scheiden sich die Geister. „Den besten Fisch in der Gegend!“ sagen die einen, „das mieseste Essen überhaupt mit mieser Bedienung!“ behaupten die anderen. Wir waren da und denken, die Einen haben Recht.

Es gibt im Restaurant einen Innen- und einen Außenbereich – und ein Schild am Engang: „Please wait to be seated“. Über die Akzeptanz solcher Schilder ist ja schon viel geschrieben worden – wer sie nicht mag, geht natürlich schon mit Grummeln im Bauch hinein in den Laden. Wir haben da überhaupt kein Problem zu warten, zumal wir recht schnell begrüßt werden und zu einem Tisch gebracht werden. Drinnen. Ob‘s auch ein Tisch draußen sein könnte, fragten wir – und ja, natürlich ginge das auch. Die freundliche Rezeptionistin wollte uns lediglich vor drohendem Regen bewahren, aber die wenig später tatsächlich einsetzende Husche ging an uns vorüber.

Unser (ich schreib‘s gleich: sehr sehr freundliche!) Kellner sprach deutsch und englisch, wir wechselten je nach Thema munter hin und her. Portugiesisch spricht er natürlich auch, aber wir ja leider nicht. So erfuhren wir, dass die Austern (1,40€/Stück) leider nicht bestellt werden könnten – den Tieren ginge es gerade nicht so gut, sie hätten zu viele rote Algen gegessen. Das Wort toxisch fiel mehrfach in seiner Erklärung, da verzichteten wir doch gerne.

Aber die Karte bot ja auch sonst noch reichlich Auswahl, und in einer Vitrine (Kälte von unten, feiner Nebel von oben) lagen diverse Extras. Wir nahmen vorab Camarao frito (Gebratene Garnelen, 13,50 €). Dafür erhielten wir zwölf Garnelen, die – das hatten wir im Süden so noch nie – schon nackt waren (also gepult) und dennoch mit Kopf und Schwanz ein schönes Bild abgaben. Da wir gerade am Vortag andernorts den ungleichen Kampf zwischen Hand und sich nicht trennen wollendem Garnelenpanzer ausgefochten hatten, überkam uns große Dankbarkeit. Denn ohne Hand anlegen zu müssen, konnten wir gefahrlos zwischendurch immer mal zum Weinglas greifen. Der Wein war ein einfacher regionaler Algarve: Paxá (Flasche 16 €). 70 % Arinto, der Rest Síria: sehr fruchtig und frisch, aber genug Säure, um nicht zu knatschen. Zum Fisch am Mittag völlig OK.

Unsere Meeresfrüchtchen sahen übrigens nicht nur gut aus, sie waren auch geschmacklich top. Knoblauch gab es separat zwischen den Tierchen, die in zwei Sechser-Kreisen serviert wurden.

Als Hauptgang gab‘s von der Karte gebratene Seezunge (Kilopreis 50 €, meine wog 445 Gramm und kam somit 22,25 €) und als Tagesangebot Pulpo mit Garnelen (15 € – in der Regel gibt‘s den Pulpo wohl mit Muscheln – aber denen geht‘s wie den Austern, also gab es die nicht). Die Beilagen konnten wir frei wählen, zur Wahl standen Kartoffeln, Pommes Frites, Reis – auf Nachfrage ging aber auch Salat. Die Seezunge war perfekt auf den Punkt gebraten, eine Seite enthäutet und die andere kross genug (so kenne ich es übrigens aus Ostfriesland, wo ich mit Scholle und Seezunge fischessensmäßig sozialisiert wurde). Auf dem Pulpo-Teller arrangierten sich drei ordentliche Stücke vom Pulpo und fünf Garnelen. Konsistenz und Geschmack ließen keine Lücke zum Meckern: alles also bestens.

Rein sättigungstechnisch hätte es das bis dahin gewesen sein können – aber für‘s Dessert haben wir ja einen Extra-Magen. Die Bedienung meinte, wir sollten den typischen Algarve-Kuchen mit Cheirinho probieren, der (für 5,50 €) Feigen, Johannisbrot und Mandeln in sich hat und mit einem Medronho-Sorbet begleitet wird. Medronho ist der Schnaps aus den Früchten des Erdbeerbaums, und das ist eine Spezialität der Gegend. „Vor dem Frühstück getrunken,“ lesen wir im Müller-Wanderführer, „nennen ihn die Algarvios mata bicho, was soviel wie Wurmtöter heißt.“ Naja, so schmeckt das Sorbet dann auch. Aber der Kuchen reißt‘s raus, und ein zehn Jahre alter Port von Niepoort (4,70 €) erweist sich als würdevoller Begleiter.

Restaurante O Camilo
Estrada da Ponta da Piedade
Praia do Camilo
Lagos 8600-544
Portugal

Tel: +351 282 763 845
www.restaurantecamilo.pt

[Besucht am 18. Oktober 2017|

Wegbeschreibung berechnenAls KML-Datei für Google Earth/Goolge Maps exportierenStandalone-Karte im Vollbild-Modus öffnenQR Code-Bild für Standalone-Vollbild-Kartenlink erstellenAls ARML für Wikitude Augmented-Reality Browser exportieren
Restaurante O Camilo

Karte wird geladen - bitte warten...

Restaurante O Camilo 37.086799, -8.669533 RestaurantkritikEstrada da Ponta da Piedade, Lagos, Algarve, Portugal (Routenplaner)
Print Friendly, PDF & Email

Mehr lesenswerte Beiträge

  • Kleine Lektion in portugiesischen WeinenKleine Lektion in portugiesischen Weinen Der Mensch sucht ja immer gern etwas, das er kennt – auch in der Fremde. Wenn man dann irgendwo das erste Mal ist, ist das Kennen natürlich eher strukturell […]
  • Die (beinahe) allerletzte BratwurstDie (beinahe) allerletzte Bratwurst Die letzte Bratwurst vor Amerika gibt‘s in Portugal am südwestlichsten Zipfel Europas, genauer am Cabo de São Vicente. Seit 1997 steht dort während der Saison […]
  • Bester Seeteufel, toller Pulpo und viele SurferBester Seeteufel, toller Pulpo und viele Surfer Vorsicht, attraktive Männer! Zumindest, wenn man Surfer mag. Der Prototyp (lange blonde Haare, bestens durchtrainiert) findet mit seinem uralten VW-Bus den Weg […]
  • Tapas unter deutscher LeitungTapas unter deutscher Leitung Um ein Haar hätten wir ja in Banyalbufar Urlaub gemacht – aber mal ganz ehrlich: Wer hat denn Lust, allen Freunden und Verwandten so einen komplizierten Namen […]
  • Wo auch die Einheimischen gerne essen gehenWo auch die Einheimischen gerne essen gehen Die Lage am Hang ist spektakulär, die Sicht (wenn‘s klar ist) fantastisch. Wenn es diesig ist, sieht man das Meer freilich nicht am Horizont – auch gut, wir […]
  • Bei João fließt die Arade in den AdernBei João fließt die Arade in den Adern Die Frage ist doch, ob João Venâncio gut zu Vögeln ist oder sie nicht mag. Ich meine ja, der braun gebrannte und gerne laut lachende Skipper mag sie. Wir sind […]

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*