Warum kann’s nicht immer so gut schmecken?

Kochsternstunden 2019: Schönburger Palais in Lichtenstein

KSS Schönburger Palais

„Wanderer, kommst Du nach Liechtenstein – tritt nicht daneben, tritt mitten rein!“, dichteten die Blödelbarden Insterburg & Co im vergangenen Jahrhundert – und meinten damit das Fürstentum mit seinen rund 38.000 Einwohnern. Dem sächsischen Lichtenstein fehlt nicht nur das e, es bringt’s auch gerade mal auf rund ein Drittel der Einwohner – aber es gibt immer einen Grund, mitten rein zu fahren: das Schönburger Palais.

Seit Mai 2016 kocht hier Christian Weidt und wagt den fast täglichen Spagat zwischen preiswerten guten Mittagsgerichten (Königsberger Klopse 4,90 €) und anspruchsvollen Menüs am Abend zu immer noch erstaunlichen günstigen Preisen, die dem Wort preiswert völlig zu Recht ihre zweite Bedeutung geben, sind sie doch ihren Preis mehr als wert.

Christian Weidt sagt: „Wir sind hier nicht in der Großstadt, wir müssen die Leute da abholen, wo sie sind und langsam heranführen an unsere Küche!“ Das tut er beim Kochsternstunden-Menü so überzeugend, dass er vor drei Jahren kein Jahr nach der Eröffnung seines Restaurants in Lichtenstein gleich mal den ersten Platz belegte und in diesem Jahr (wo er im Chemnitz-Spezial des Wettbewerbs mitmacht) zumindest von der Leistung her noch einmal einen Zacken zugelegt hat.

Bis zu fünf Gänge bietet er an, hinzu kommen noch Brot und ein veritabler Gruß aus der Küche. Das geht gleich gut los, mit selbst gebackenem Rote-Bete-Brot, einem Kartoffelchip mit Krabbensalat – und einem aufwändigen Küchengruß, den der Küchenchef am Beistelltisch frisch fertig macht: Wachtelbrust kommt aus dem Rauch unter einer Glasglocke, den Rest (unter anderem Wachtelei, schwarze Walnuss) arrangiert Weidt ruhig unter den Blicken der Gäste (und den unvermeidlichen Smartphonefotos) ruhig und akkurat. Die Ruhe und Gelassenheit ist neu bei ihm, die Hektik der Anfangsjahre hat Weidt hinter sich gelassen – was gut tut.

Zu der Gelassenheit gehört auch, dass es ihm egal ist, welche der Gänge man weglässt, wenn man nicht das volle Programm essen will: „Die Gäste sollen doch zufrieden sein und selbst entscheiden!“ So gehört sich Gast-Freundschaft, auch wenn es natürlich ein bissl wie gemein ist, weil man dann ja selbst Schuld ist, wenn man die falsche Entscheidung getroffen hat. Wir hatten das volle Programm bestellt und – Dank korrekter Portionsgrößen – am Ende das Gefühl, sehr gut gesättigt, aber keineswegs übervoll zu sein. Und weglassen hätten wir, so die einmütige Meinung in kleiner Runde, nun wirklich nichts wollen.

In jedem Gang gab es etwas Be-merken!-swertes, in keinem Gang etwas, was man am liebsten gleich vergessen möchte. Manchmal, wie bei der (thailändischen Hühner-)Suppe Tom Kha Gai, blieb auch das ganze Gericht in allerbester Erinnerung – und man fragt sich, warum es nicht immer und überall so gut schmecken könnte, mit ausbalancierter Schärfe, mit zartestem Hühnerfleisch, mit ohh und ahhh und hhmmm. Manchmal sind es Kleinigkeiten, die aus einem tollen Gericht einen Hammer-Gang machen, so wie die Fitzelchen von Kartoffelrösti zum Tafelspitz im Hauptgang (der nicht nur butterzart und auf den Punkt gegart, sondern auch von feinster Qualität war…). Oder wenn beim Dessert eine Variante der Karottenvariation unscheinbar wie Staub auf dem Tellerrand liegt – und dann intensiv schmeckt wie Bombe.

Am liebsten hätten wir ja zwischendurch noch die Königsberger Klopse probiert – aber irgendwie passten die so gar nicht ins Menü. Also müssen wir nochmal hin, nur zum Tagesgericht. Das kann man sich dann ja nach Gusto aufpimpen…

Das Menü

  • Gebeizter Hirschrücken I Kardamom-Senf-Eis I Zitrusfrüchte
  • Tom Kha Gai
  • Kingfish I Meeresvariation I Olive
  • Wagyu-Tafelspitz I Meerrettich I Wurzelgemüse I Kartoffel
  • Karottenvariation I Ingwer I Birne

Die Getränke

  • Cuvée Rot & Wild I trocken I Privatkellerei Hirsch I Württemberg
  • Goldriesling I trocken I VDP. Gutswein I Weingut Schloss Proschwitz
  • Kremser Goldberg I trocken I Kellermeister Privat Kremstal
  • Banyuls I süß I AOC I M. Chapoutier, Languedoc Roussillon I Frankreich

Der Preis

  • 3-Gänge-Menü 38,00 € (inkl. Weinbegleitung 55,00 €)
  • 4-Gänge-Menü 45,00 € (inkl. Weinbegleitung 65,00 €)
  • 5-Gänge-Menü 55,00 € (inkl. Weinbegleitung 72,00 €)

Schönburger Palais
Schlossberg 19
09350 Lichtenstein

Tel. +49 37204/ 601010
www.schoenburger-palais.de

Öffnungszeiten:
Di–Fr: 11.30–22 Uhr
Sa–So: 11–23 Uhr

[Besucht am 12. Februar 2019 | Übersicht der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]


Hinweis:

Die STIPvisiten sind Partner der Kochsternstunden.

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