Heimeliges auf dem Anger

Weihnachtsmarkt in Altkötzschenbroda

Weihnachtsmarkt Altközschenbroda 2014

Die Stimmung macht den Unterschied, neudeutsch: das Flair. Und die (oder das, je nach Sprachlevel) haben wir noch nirgendwo so wunderbar erlebt wie in Altkötzschenbroda. Es ist voll, aber weniger hektisch. Es gibt Musik, aber eine eigenartig bezaubernde Mischung aus schrill und festlich. Der Mittelgang des Angers ist illuminiert – zwölf Ballons, die im Hellen blass wirken und nach Eintritt der Dunkelheit (ist ja schon früh der Fall in diesen Tagen…) Familien mit Kindern Rätsel aufgeben: Zwölf Märchen können die Kinder erraten – und wenn die Eltern die Märchen auch kennen, ist ja alles in Ordnung! Die Dresdner Künstlerinnen Anne Ibelings und Peggy Berger haben übrigens die Märchenfiguren in die Laternen gemalt…

An den ersten drei Advents-Wochenenden ist der Weihnachtsmarkt in Altkötzschenbroda geöffnet, und natürlich findet man dort eine vorzügliche Auswahl der lokalen Winzer. Die bieten entweder Glühwein aus eigenen Trauben an – oder aus selbst dazu gekauften. Wir probierten einige der komplett selbst gemachten. Erster Stopp auf dem Weg zum Kirchplatz (rechter Gang, in dieser Richtung gehen) bei Lutz Gerhardt vom Haus Steinbach. Er hat einen älteren Spätburgunder verglühweint – weil der als normaler Roter seine besten Tage gehabt hat. Das klingt blöd, ist aber eine sehr gute Idee: Der Wein ist ja nicht schlecht – und gewürzt und heiß getrunken bekommt er das Prädikat „jederzeit wieder!“ Beim Haus Steinbach gibt es eigene Becher aus Kahla – und in die passt ein Viertelliter (3 €).

Am Kirchplatz sind die üblichen Verdächtigen arrangiert wie beim herbstlichen Winzerfest. Und weil das so ist, gehen wir als erstes hier immer zu Frédéric Fourré. Dessen „Heißer Engel“ ist ein eigener Müller Thurgau, dem 13 Gewürze das gewisse Etwas geben. Im vergangenen Jahr war das unser Geheimtipp (weswegen das nirgends so stand – Geheimtipps verrät man doch nicht!), dieses Jahr gehört er auch wieder zu unseren Favoriten – obwohl der gewisse Kick fehlt (0,2 l für 2,50 €). Aber die Grundweine sind ja jährlich anders, das macht das Individuelle aus, was wir so lieben. Beim Stand des Weinguts Steffen Schabehorn probierten wir rot und weiß: Der Rote ein sehr trockener Regent aus diesem Jahr, der Weiße ein Bacchus – beide in gewohnt ordentlicher und wieder trinkbarer Qualität (0,25 l für 3 €).

Ganz vorzüglich war der Stollen aus der Konditorei Dolze, den zur Eröffnung des Marktes am Samstag Nachmittag Radebeuls OB Bert Wendsche und ein vorzeitig angereister Weihnachtsmann anschnitten und stückweise kostenlos verteilten. Wir naschten und fanden, dass danach was Deftiges gut täte: Wir erinnerten uns an ein vortreffliches Langos von Hackenbergs Genusswerk aus dem vorigen Jahr: Vollkorn statt voll fetttriefend, geniale Beläge (wir hatten dieses Mal Birne-Gorgonzola – 5 € – und Trüffel-Camembert – 5,50 €), wobei der Teig uns aus dem Vorjahr etwas besser in Erinnerung geblieben war. Vielleicht hatte er ja dieses Mal keine Lust zu gehen, wer weiß.

Was fehlt? Genau: das Kulturprogramm. Davon gibt es erfreulich viel, Puppentheater, solche ohne Puppen, handgemachte Musik – insgesamt eben genau die Mischung, die dieses Flair ausmacht…

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