Wohlfühlen im Wirtshaus

Kochsternstunden 2024: Lößnitztalschänke

Lößnitztalschänke

Drei Etagen, Platz für 200 Gäste, unterhalb der Weinberge der Oberlößnitz und direkt an den Gleisen des Lößnitzdackels gelegen (für Menschen außerhalb der Gegend: das ist der Kosename für eine Schmalspurbahn) und immer was los: das ist die Kurzbeschreibung der Lößnitztalschänke. Trotz der Größe und der Bahnnähe verströmt das urige Wirtshaus aber alles andere als eine Wartesaalatmosphäre: man kommt gerne und fühlt sich wohl.

Das liegt natürlich auch am Angebot, das die viel beschworene gut bürgerliche Küche in Wirtshaus-Manier aufs angenehmste zu bedienen weiß. Irgendwann nach eine Weinbergswanderung genossen wir Sülze und Bratkartoffeln, aber auch ein richtig gutes Wiener Schnitzel – also die Variante vom Kalb. Und das in großen Portionen! Da waren wir gespannt, wie sich dieses Setting in die Kochsternstunden einfügen würde – jenem Wettbewerb, bei dem es hauptsächlich um etwas ambitionierteres Essen geht (wobei: richtig gute Sülze und richtig gutes Schnitzel sind ja auch eine Herausforderung!).

Zwei Beobachtungen hatten wir schon bei der Lektüre des Angebots im Netz gemacht: es gibt Weine, die es sonst nicht in der Schänke gibt – und es gibt nur drei Gänge (statt der sonst im Wettbewerb gerne zelebrierten vier oder fünf). Das Menü las sich einerseits bodenständig, andererseits aber auch spannend. Mit Selleriesüppchen, aber eben mit hausgeräuchertem Skrei. Mit geschmorten Bäckchen wie bei so vielen – aber eben vom Hirsch. Und mit Kaltem Hund! Da schaun mer mal…

Als brave Kochsternstundengänger hatten wir uns angemeldet – das Wirtshaus zollte dem Respekt: anders als die sonst üblichen rustikalen Holztische saßen wir zwar immer noch am Holztisch, aber der war unter Leinen versteckt, die beiden reservierten Plätze waren eingedeckt, zwei Karten lagen aus mit dem Menü (auf Wunsch gäbe es das auch vegetarisch) und Weinbegleitung. Kleinigkeiten wie diese finden wir toll – wie auch die zugewandte Begrüßung und das Begleiten zum Tisch. Klingt altmodisch? Gerne. Schafft aber Wohlfühlen!

AperoUns war nach einem Apero vorab – und mit freudigem Staunen lasen wir, dass es neben Rotkäppchen auch Sekt von Vaux gibt, wenn auch nur flaschenweise und nicht offen. Da wir ja das Menü testen wollten, blieben wir bei der offiziellen Weinbegleitung, hätten aber ohne diese Aufgabe sicher gerne die Flasche auch menübegleitend genommen und uns dabei an einen wunderbaren Abend mit Christoph Graf von Schloss Vaux erinnert… Also kein Vaux, sondern auf Empfehlung vom Sandro, der uns den Abend über begleitete, Martini Rosso mit Tonic. Good choice, um das mal international zu sagen.

SelleriesüppchenZur Suppe gab’s dann was Weißes vom Schwarz, die Einstiegscuvée Der kleine Schwarz vom VDP-Winzer Martin Schwarz. Der ist aus vier Weißweinsorten cuvetiert und von der Sorte leicht und süffig – passt also zum Einstieg ganz gut zwischen Apero und Suppe (und ein Schluck dazu und den Rest danach…). Das Selleriecremesüppchen war kein Süppchen, sondern eine Suppe von der Menge her: Wirtshaus halt, die können (und wollen!) nicht anders. Neben dem schon erwähnten Skrei, der in der hauseigenen Räucherbude feine Rauchnoten abbekommen hatte, gefiel uns das frische, leicht säuerliche Birnen-Chutney besonders gut.

Bäckchen vom HirschWährend wir auf den Hauptgang warteten, war Zeit zur Beobachtung der Nachbartische. Was nimmt man denn so en famille? Offenbar die Karte querbeet: das Riesenschnitzel, den frisch gewolften Hackepeter, den Winzerbraten. Alles Riesenportionen. Wir waren gespannt, was uns im Menü passieren würde! Zuerst einmal: ein Glas Wein, wieder von Martin Schwarz, dieses Mal mit Farbwechsel: Rot von Schwarz. Auch das ist eine Cuvée, dieses Mal sind drei Trauben-Partner am Geschmack beteiligt. Auch dieses ist ein Einstiegswein des sächsischen Spitzenwinzers – aber einer mit Niveau. Zum geschmorten Bäckchen vom Hirsch und dem kräftig-dunklen Sauerbraten-Jus ein idealer Begleiter, den Touristen ohne Hintergrundinfos wahrscheinlich nicht nach Sachsen stecken würden (und da haben sie dann noch nicht mal den Pinot vom Friedstein probiert!). Drei Backen hatte der Hirsch (nein, Spaß: drei Portionen waren es auf dem Teller!), dazu gab es zwei gebratene Pistazienknödel (toll, gebraten schmecken Knödel doppelt gut!) und eine Pistazienknödelkugel sowie geschmorten wie geratenen Kohl. Von der Menge her wäre das auch als Einzelgericht durchgegangen, aber das hatten wir ja schon geahnt. Und man muss ja gar nicht aufessen, weil das mit dem guten Wetter ja so eine Sache ist: die Gäste nebenan hatten ihre Teller brav aufgegessen, das musste reichen für Sonne am nächsten Tag!

Kalter HundPlatz blieb dennoch für den Kalten Hund. Der ging, rein geschmacklich, mit der Zeit –  die Kekse aus dem Westen (wobei die Wikipedia vermuten lässt, dass die Firma Bahlsen vor gut hundert Jahren eh die Finger bzw. Kekse im Spiel hatte) und der Schoko-Anteil schmeckte auch nicht nach Kokosfett, was uns gefiel. Dazu präsentierte Sandro uns einen Dessertwein von Tim Strasser: Solaris. Dass ist eine Neuzüchtung, die besonders in Sachsen beliebt ist. Ob’s daran liegt, dass diese Sorte gut süß kann? Der von Tim Strasser wurde am 14. September 2022 mit 104° Oe gelesen und bringt daher gerne viel Zucker (knapp 60g/l) bei wenig Alkohol (11 vol%): dem Kalten Hund gefiel’s, und uns (zugegeben: erstaunlicherweise) auch…

Menü

  • Selleriecremesüppchen mit hausgeräuchertem Skrei, Birnen-Chutney und Pesto vom Selleriegrün
  • Geschmorte Bäckchen vom heimischen Hirsch mit Sauerbraten-Jus, Pistazienknödeln und Kohlröschen
  • Kalter Hund mit schwarzen Johannisbeeren und hausgemachtem Espresso-Eis

Weinbegleitung

  • Der kleine Schwarz, Weingut Martin Schwarz, Sachsen
  • Rot von Schwarz, Weingut Martin Schwarz, Sachsen
  • Solaris, edelsüß, Rothes Gut, Sachsen

Preis

39,00 € | Weinbegleitung pro Wein (0,1 l) 6,50 €

Lößnitztalschänke
Mühlweg 3
01445 Radebeul

Tel. +49 351 8384790
loessnitztalschaenke.de

Öffnungszeiten
Mi–So ab 11 Uhr

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Hinweis:
Die STIPvisiten sind Partner der Kochsternstunden.

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