Erst die Arbeit, dann das Vergnügen

Kochkurs mit Torsten Beyer bei Küchen Weigelt in Pirna

Torsten Beyer

Kochkurse stehen hoch im Kurs. Wer sie verschenkt, hat günstigstenfalls selbst was davon – weil man als Beschenkter ja meist nicht allein hingeht. Firmen lieben sie als Teambuilding-Events – was ja gelegentlich so abschreckend ist wie es klingt, vor allem wenn man gar nicht gerne selber kocht und einen nicht nur Zwiebeln zum Heulen bringen, sondern auch der fordernde Chef. Andererseits kann es aber sein, dass der Besuch von nicht fremd organisierten Kochkursen genau das bringt, was schon beim ollen Horaz vor zweitausend Jahren ganz gut funktionierte: sie machen Spaß und bringen idealerweise einen gewissen Nutzen. Wie viel von beidem man mitnimmt, liegt natürlich auch und vor allem an dem, der den Kurs gibt. Torsten Beyer, das weiß ich spätestens seit einem Kochkurs mit ihm in der Dynamo-VIP-Lounge vor knapp zehn Jahren, jongliert ganz fabelhaft mit der Balance aus seinem Fachwissen, seinem Charme und dem Geschick, ganz locker den strengen Lehrmeister zu geben.

Torsten BeyerIch hatte Torsten Beyer während der Kochsternstunden 2024 wieder getroffen – im Küchenstudio Weigelt, das als PopUp mitmachte und zu meiner großen Freude in der ersten Etage nicht nur über eine „möchte-ich-auch-haben“-Showküche in Apartmentgröße verfügt, sondern auch direkt daneben einen Essbereich hat für rund ein Dutzend Gäste. Wie es sich für ein PopUp gehört, gab’s nur wenige Termine – und alle waren schneller gebucht als man seinen Braten im Ofen bei Niedrigtemperatur gegart hat. 2025 war’s dann wieder so (und, wie es aussieht, gibt’s auch dieses Jahr bereits vor Beginn der Kochsternstunden nur noch sehr wenige Plätze). Was Kochsternstunden-Besuche bei Weigelts im Küchenzentrum mit Kochkursen zu tun haben? Ganz einfach: die Küche ist offen – und der Koch auch. Er bereitet die Gänge ja live vor Ort zu, und wer mag (garantiert also: ich!), spaziert vor dem nächsten Gang schnell mal rüber, um Tipps und Tricks zu erheischen.

Was da im lockeren Gespräch so rüberkommt, macht freilich Lust auf mehr, und da kommen jetzt die Kochkurse ins Spiel, die zu Nicht-Kochsternstunden-Zeiten angeboten werden – und die genau so begehrt sind, wie ein Blick auf die Buchungszahlen zeigt. Da hilft also nur, rechtzeitig zu fragen (oh, das hätte ich jetzt vielleicht besser nicht schreiben sollen – wenn das jetzt alle machen…) Wie auch immer: wir hatten einen Platz (korrekter: zwei Plätze) bekommen beim spätherbstlichen Thema Aus Wald und Flur – wobei nach all meinen Erfahrungen ich so dachte: eigentlich egal, was das Thema ist: spannend, spaßig und lehrreich wird’s eh. Und so war’s dann auch.

Kochkurs Wald und Flur

Los geht’s mit einer erschreckend vollen Arbeitsfläche. Sellerie, Zwiebeln, Mango, Wirsing, Äpfel, Petersilie, Eier. Und dann natürlich Messer, Reiben, Schüsseln, Handschuhe. Als ob man’s nicht geahnt hätte: das sah nach Arbeit aus. Der Chef gibt einen Grundkurs, bei dem viel Selbstverständliches ja auch mal gesagt werden muss: Hände waschen! Oder: Die Messer sind scharf, das Ziel sollte das jeweilige Gemüse und keinesfalls der Finger an der anderen Hand sein (der vom Nebenmann oder der Nebenfrau natürlich auch nicht). Reden miteinander ist erlaubt, aber verquatschen eher nicht („es darf ruhig schnell gehen, drei Minuten sind doch OK?„). Einen trockenen Humor hat er, der Herr Beyer – aber wenigstens hat er Humor. Überhaupt: gelacht wird viel, und bis auf den Fotografen hat sich auch keiner vor der handwerklichen Arbeit gedrückt…

MenüChef zu sein ist ja ein ambivalenter Job: einerseits muss man alles können und auch so zeigen und erklären, dass die anderen es richtig machen – andererseits aber kann man sich dann zurückziehen und machen lassen. Es sei denn, jemand hat eine Frage (alle haben immer Fragen!). Zum Grundkurs Kochen wie ein Profi gehört auch die Feststellung, dass Hektik in der Tat nichts bringt – in der Ruhe liegt die Kraft, und paradoxerweise vergeht die Zeit so wie im Fluge. Wie wichtig das Konzept Mise en Place (französisch für „an den Platz stellen“) ist, offenbart sich im zweiten Teil des Abends. Da erwies es sich nämlich als sehr praktisch, dass vor Beginn des Kochens (fast) alles vorbereitet, abgewogen und griffbereit platziert wurde. So wurde flugs aus den erwähnten (und einigen weiteren, dann frisch vorbereiteten) Zutaten ein Vier-Gänge-Menü:

  • Ente/Sellerie/ Parmesan
  • Mango/Curry
  • Hasenrücken/Wirsing/Graupe
  • Quark/Apfel

WeigeltsNach fast genau zwei Stunden gab’s den ersten Gang, und hier wurden aus den Kochkursteilnehmern dann Gäste, die sich (übrigens wieder fast genau zwei Stunden lang…) bedienen ließen. Den Service übernahm (das kannte ich schon von den Kochsternstunden) Familie Weigelt – und es ist immer wieder eine Freude zu sehen, mit welcher professionellen Zugewandtheit das passiert. Sie sind Gästekümmerer, wie man es sich auch in richtigen Restaurants wünscht. Das Essen wurde noch mehr gelobt als sonst, denn schließlich war’s ja selbst gemacht! Naja, beinahe, denn der Koch-Profi im Hintergrund hatte ja schon das ein oder andere vorbereitet und (fürs Wohlgefühl noch wichtiger) vor allem die Nachbereitung übernommen. Kein Aufräumen, kein Abwasch – alles tippi toppi am Ende des Abends…

Weigelts Kochkontor
Küchen Weigelt
Dresdner Straße 11
01796 Pirna

Tel. +49 3501 446483
mehr-als-kueche.de

[Besucht am 20. November 2025  | Zur Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung] .

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