Eine Oase namens Horst. El Horst.

Besuch in der Kultkneipe in der Gartensparte

el Horst

Über Geheimtipps zu schreiben ist ja völlig sinnbefreit: spätestens nach der Veröffentlichung sind diese Tipps ja nicht mehr geheim. Aber über Kultgaststätten darf man nicht nur schreiben, man muss es auch. El Horst ist so eine Kneipe. Ursprünglich ein nicht öffentliches Vereinslokal des Kleingärtnervereins Flora I in Striesen, seit dem Umbau am gleichen Ort aber das, was man eine urige Kneipe nennt. Mit Halb-Selbstbedienung draußen im weitläufigen Sommergarten und nicht unbedingt planen Tischplatten. Und mit einem Angebot an Speisen und Getränken, das es in sich hat: ordentliches Bier oder Wein vom Bio-Weingut Studier aus Ellerstadt in der Pfalz zu sehr vernünftigen Preisen beispielsweise, und frisch zubereitetes Essen, das einen auch nicht verarmen lässt.

So etwas spricht sich herum: es ist meist voll im el Horst. Aber wenn nicht gerade eine große Feiergesellschaft kurz vorm Hauptgang ist, wartet man gar nicht sooo lange aufs Essen, wie die Karte zart andeutet. Und wenn doch? Dann lohnt es sich, nötigenfalls einen Gang runterzuschalten und entspannt zu plaudern (wenn man nicht allein gekommen ist) oder zu lesen (wenn man mal alleine da sein sollte – aber warum sollte man das? Kneipen sind doch Begegnungsräume!).

Die Karte ist ein Musterbeispiel für das, was man in einer Kneipe erwartet. Es gibt Würzfleisch vom Schwein und mit Gouda überbacken, dazu natürlich die Zitronenecke, Ciabatta und diese Sauce, die sich Worcester schreibt und – warum, wissen nur die Engländer – [wʊstə] spricht, also so wie „Wüste“ ohne die Punkte auf dem u  (6,90 €). Oder Krautnudeln mit Weißkraut und Hackfleisch vom Schwein und Rind, dazu geriebener Gouda (9,30 €/13,30€) oder Schweinesülze vom Eisbein mit Remouladensoße, roten Zwiebelringen und frischen Bratkartoffeln und Salatbeilage (11,70 €) und und und. Aber nur deswegen wäre es vielleicht nicht so dauervoll – obwohl: wenn’s schmeckt, geht ja auch das in Ordnung. Aber es gibt eben im el Horst die kleinen dezenten Hinweise, woran man merkt, dass da mehr geht. „Unsere Sülze kommt von der Fleischerei Otto aus Striesen“, lese ich – erfreut ob der lokalen und benannten Herkunft. Und im Brotkorb zu den Suppen (eine vegan und die andere vegetarisch, beide 6,50 €) liegt neben der Ciabatta auch Dinkelvollkorn von der Bäckerei Grohmann, ebenfalls Striesen.

Es macht also große Freude, sich durch die nicht mal kleine Karte zu lesen – durchzufuttern geht bei den angemessen großen Portionen nur, wenn man öfter kommt (warum denn nicht?). Man findet neben Klassikern wie Matjesfilet mit hausgemachter Apfel-Sahne-Soße, roten Zwiebelringen, Butterdrillingen und Salatbeilage (11,80 €/16,90 €) immer wieder Neues für sich, beispielsweise Korsisches Omelett aus Freilandeiern mit Ziegenfrischkäse, frischer Minze, Honig, Salatgarnitur und Ciabatta (10,30 €/14,70 €). Alles handwerklich sauber, ohne chi chi und mindestens so gut wie bei Muttern. Und beim Matjesfilet muss man sich ja auch mal freuen dürfen, dass derlei Hausmannskost nicht mit Hausfrauensauce angeboten wird – ein Begriff, bei dem ein doch gerne das Kopfkino mit Dederonschürze und anderen Vorurteilen ein unvorteilhaftes Bild zeichnet. An den beiden Preisen hinter den meisten Gerichten sind zwei Dinge bemerkenswert: einmal natürlich, dass es die Gerichte in kleiner und in großer Variante gibt – das sieht man immer noch viel zu selten und kommt doch den individuellen Hungerästen sehr entgegen. Und dann fällt natürlich auf, dass el Horst den alten Spruch vom Pfennig und dem Taler noch zu kennen scheint: bis auf die *,20 € gibt es jeden Zehn-Cent-Schritt. Ungewohnt heutzutage, wo doch (je mehr chic und in ein Restaurant ist, desto doller) es meistens nur noch runde Euro-Beträge gibt.

Kneipe el Horst
Bergmannstraße 39
01309 Dresden

Tel. +49 351 / 33 60 551
el-horst.de

[Mehrfach besucht, zuletzt am 2. Mai 2026 | Übersicht der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]

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