„Das Auge isst mit!„, weiß der Volksmund. Das muss man sich bitte mal bildlich vorstellen! Aber das würde ja nur ablenken, denn heute soll es mal darum gehen, dass das Auge sehr wohl auch mittrinkt. Natürlich auch nur im übertragenen Sinne, aber das dann doch ganz heftig: es gab Wein aus schwarzen Gläsern! Das Testlabor: die Wein- und Champagnerbar des Kastenmeiers im Taschenbergpalais. Die Probanden: Journalist*innen und Influencerinnen. Durch die Probe führte Gerd Kastenmeier, der sich in jahrzehntelanger Arbeit trotz der bayerischen Bierherkunft (sein Vater war Brauer!) die Weinwelt sehr gut erschlossen hat und für sein Restaurant (und die Weinbar sowie die Caterings, natürlich) mit befreundeten Winzern auch eigene Weine herstellt.
„Viele Menschen fühlen sich anhand der Weinvielfalt im Handel überfordert und kaufen einfach nach Etikett“, erläuterte Gerd Kastenmeier. „Oder sie wählen einen besonders teuren Wein – der muss ja gut sein. Muss er nicht! Mit unserer Blindverkostung wollen wir eine Orientierung geben, damit jeder herausfindet, was ihm schmeckt. Und bei einer Probe aus schwarzen Gläsern konzentriert man sich auf den Geschmack, nichts lenkt ab.“ So gesehen sorgen die schwarzen Gläser durch ihre Verschleierung durchaus für mehr Klarheit.
Während normale Weingläser ja – zumal, wenn es die Guten sind – sehr chic aussehen und meist filigran daherkommen, sind die schwarzen Gläser eher schlicht und gleichen eher dem standardisierten Probierglas. Für die erste Runde hatte Barchef Finn Merbt die Gläser schon hinter der Theke eingeschenkt – als sie am Tisch waren, sah man erwartungsgemäß nichts. Weder von der Seite noch von oben (ok: wer reinsah, konnte erkennen, dass da was im Glas war – aber eben nicht: was da im Glas war). Das genau sollte ja Sinn der Sache sein: weniger geschulte Weintrinker können bei schwarzen Gläsern im Ernstfall nicht mal Rot- von Weißwein unterscheiden. Allenfalls die Serviertemperatur könnte einen Hinweis geben, aber wenn der Gastgeber gemein ist, sind eben die Weißen etwas zu warm und die Roten etwas zu kalt – also alles so um die 14-16 °C. Aber weder der Finn noch der Gerd sind so gemein: sie hatten zwar die Flaschen durch Alufolie blickdicht gemacht, aber die Weißweine waren kühl und die Rotweine ordentlich temperiert.
Vor uns also immer noch das erste Glas und verzweifelt unwissende Gesichter. Was mag das sein? Riechen! „Pfirsich“ meinte die Kollegin zu erkennen und erntete zumindest keinen Widerspruch von den Kollegas. Der weinerfahrene Kastenmeier gibt daher einen Tipp, der eindeutiger nicht sein könnte: „Ich rieche Petrol!“ Die Vinonovizen erschaudern: Diesel? Hier im Glas? Nein: in der Nase. Also in der Kastenmeierschen, die anderen rochen es nicht so dolle heraus. Aber wozu braucht es eine Nase, wenn man weiß, dass Rieslinge gern so riechen! Es war dann natürlich auch einer (22er Kalkfels vom Weingut Krebs aus der Pfalz). Die Nase und der Geschmack von Wein Nummer zwei war deutlicher, denn der Sauvignon Blanc der Gebrüder Rings (auch Pfalz) ist zwar kein lauter Wein, aber schon ein typischer Vertreter seiner Art. Und so ging das weiter – prinzipiell sortenreine Weißweine, dann aber doch eine Zweier-Cuvée (und die dann auch noch mit besonders naturnahem Ausbau), obendrein als Zugabe ein, zwei Rotweine. Eine lustige Sache, man kommt gut ins Schwatzen und lernt auch noch was.
Uffregend? Auf jeden Fall. Lehrreich? Wenn jemand wie Gerd Kastenmeier erzählt: natürlich. Etwas, was wir morgen am liebsten wieder täten? Bei Radio Eriwan wäre die Antwort sicher: im Prinzip ja. Aber am liebsten aus ganz normalen Gläsern. Der Rest – Weinauswahl, Moderation, Lern- und Spaßkurve – kann gerne bleiben. Und die beiden Platten mit Käse und San-Daniele-Schinken on top auch…
Info
Die Blindverkostung in „Kastenmeiers Wein- und Champagnerbar“ beginnt bei sechs Weinen zum Preis von 39 Euro. Die Blindverkostung kann man von zwei bis 15 Personen reservieren – als Anfänger oder Fortgeschrittene, als Einführung in die Welt der Weine oder als Ausflug in besondere Weinbaugebiete – die Weinauswahl und der Termin werden individuell abgesprochen.
Kastenmeiers Wein- und Champagnerbar
Taschenberg 3
01067 Dresden
Tel. +49 351 48484801
www.kastenmeiers.de
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