Von den italienischen Männern

Salve!

Geschichten aus Sardinien (3)

Als ich vor Jahren einmal mit den damals noch pubertierenden Töchtern nach Rom reiste, schwärmte ich vorab von der klassischen Schönheit der Römerinnen – mit dem Ergebnis, dass mich die beiden bei nahezu jedem halbwegs schönen Weibchen fragten: Ist das jetzt eine klassische Schönheit? Meist musste ich verneinen: Sind ja doch nicht alle sooooo schön wie im Bilderbuch annonciert.

Aber die Männer!

Die italienischen Männer sind etwas ganz Besonderes. Meine Grundthese ist ja, dass sie alle schwul sind – so gut gekleidet wie sie sind, so adrett gestylt, so zärtlich miteinander umgehend, so körperkontaktig. Aber dann kommen sie mit den aufregendsten Schnecken daher und man denkt sich, Gast der man ist im Land: Wie machen die das?

Sie machen es ganz perfide. Seit mehreren Jahren beobachte ich das, nun kann ich es verraten: Italienische Männer lieben am meisten – sich selbst. Eigentlich sieht man das immer, egal wo man hinguckt. Die ganz alten Männer, die auf der Bank sitzen und miteinander disputieren. Die beiden Alten mit den schnieken Lederschuhen, die mit dem wandernden Schatten des Denkmals ihren Platz wechseln. Aber vor allem der muskulöse Waschbrett-Dinosaurier, der der schönsten Badebucht der Insel Maddalena das Krönchen aufsetzte.

Gelb-Lila
Gelb-Lila

Als wir kamen, stand er mit seinem Kumpel in der lila Badehose knietief im Wasser und war mir auf Anhieb sympathisch. Ich liebe Leute, die nicht schwuppdiwupp und mit Schmackes ins Wasser gehen, sondern sich peu a peu vortasten, um sensiblen Körperteilen eine langsame Gewöhnung an das den Menschen artfremde Umgebungsmedium Wasser zuzugestehen. Ich dachte daher bislang, dass ich am meisten mich selbst lieben muss, denn alle anderen sind schneller im Wasser, so lange es unter 25 Grad warm ist jedenfalls. Aber hier standen nun zwei und mieden die Untiefen des nassen Elements wie der Teufel das Weihwasser – sehr sehr angemessen!

Der Waschbrett-Dinosaurier trug eine knallgelbe Badehose, die seinen Astralkörper auf das Allertrefflichste betonte. Ein Hingucker, sozusagen. Ihn zu malen fiele einem abstrakt den Pinsel schwingenden Künstler nicht schwer: Kleiner brauner Punkt oben, darunter ein sehr breites, sich nach unten verjüngendes Dreieck, auch braun. In der Mitte ein gelber Badehosenklecks – fertig. Pardon: Etwas kleiner den Klecks, bitte.

Noch schöner war es, ihn außerhalb des Wasser zu beobachten. Er ölte sich ein, damit der Glanz des Universums sich auf ihn konzentrieren möge. Er legte sich hin und drehte sich fast so oft, dass er Hähnchengrillstationen Konkurrenz hätte machen können. Er stand wieder auf, spannte den Körper flitzebogenmäßig nach rechts und streichelte den Oberschenkel mit der rechten Hand. Ich muss nicht erwähnen, dass er diese Arbeit sanft und geschmeidig und voller Liebe zu sich selbst verrichtete. Aber ich sollte erwähnen, dass er nach dem rechten den linken Flitzebogen gab, sich nach den Oberschenkeln um die Arme und die Brust kümmerte. Wohl eine halbe Stunde lang wiederholte sich die Show: Hähnchengrill, Ölgötze, Hähnchen, Öl.

Weiß-Schwarz
Weiß-Schwarz

Wer so bemüht um sich ist, behandelt sich natürlich ganzheitlich. Das heißt, auch die leidlich gelb bedeckten Körperteile erfuhren ihre Zuwendung. Wie das detailliert geht, konnten wir nicht nur hier, sondern am gleichen Tag auch an einem anderen Badeort beobachten. Da saßen nämlich in der Bar an der Spiaggia Spalmatore eine weiße Badehose und eine schwarze Badehose. Die dazu gehörenden Herren flätzen gelangweilt in den Bistrostühlen und guckten Löcher in die Luft. Abwechselnd griff mal der eine und dann der andere mit fester Hand beherzt zu. Sie taten es so inbrünstig, dass wir (es war Mai, Michael Jackson lebte noch) schon dachten, sie wollten den Wacko-Jacko-Griff für eine Bühnenshow üben. Andererseits deuteten die eher gelangweilten Gesichter darauf hin, dass die Jungs ganz anderes im Schilde führten: Mangels Hasenpfoten, die bekanntlich in Hosen auch etwas hermachen, versuchten sie sich an einer halbherzigen Eigenerregung. Denn eines ist immer wichtig, nicht nur in Italien: Bella Figura!

  

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