Die Lust der Gastgeber, die Gäste zu beglücken

Kochsternstunden 2016: Le Bambou

Le Bambou

Irgendwann vor langer Zeit – so lang, dass ich das Datum vergessen habe und auch das Original nur versteckt ohne Zeithinweis finde – schrieb der verehrte Kollege Jens Schneider von der Süddeutschen Zeitung einmal in einem Beitrag unter anderem diese Sätze: „In all den Speisen, die geboten werden, spiegelt sich eine große Lust der Gastgeber wider, im eigenen Interesse bei den Gästen Lust auf Neues zu wecken. So wird zu jedem Menu eine Liste mit Weinemp­fehlungen angeboten, sodass der Besucher zu jedem Gang ein Gläschen passenden Weins aus dem hervorragenden ange­schlossenen Weinhandel trin­ken kann.“

Das muss so um die Zeit gewesen sein, als auch wir einige Male dort waren – denn es gab noch die fetten Bambusmöbel und einen Hauch von Afrika im Dekor. Doch die Zeiten ändern sich: Als wir jetzt im Rahmen der Kochsternstunden nach langer Zeit mal wieder im Le Bambou in Freiberg waren, saßen wir nicht mehr auf Bambus – geblieben war aber, was uns schon vor über zehn Jahren aufgefallen war: eine überraschend gute Küche mit sehr nettem Service. Also überraschend, wenn man das erste Mal da ist…

Verantwortlich für derlei Wohlfühlen ist seit 1998 (was für eine lange Zeit!) Ronny Löser, anfangs angestellt, jetzt als Betreiber des Restaurants. Wie formulierte es jemand am Tisch? „Ist doch toll, wie manche Gastronomen Abend für Abend so voller Freude ihre Gäste glücklich machen!“ Stimmt. Sonderwünsche gingen, Erklärungen zum Essen wie zum Wein gab es wie selbstverständlich – eine insgesamt durch und durch schöne Stimmung machte sich schnell breit. Das Menü der Kochsternstunden gab’s in drei, vier oder fünf Gängen (35 € / 43 € /49 €), auf Wunsch (und dringend zu empfehlen!) auch mit Weinbegleitung (dann: 50 € / 63 € / 74 €). Wobei die Weine nicht nur sehr gastfreundlich kalkuliert waren, sondern vom Herrn Löser auch so großzügig ausgeschenkt wurden, dass Autofahrer*innen ihn bremsen mussten. Hat man ja selten, sowas…

Vor dem eigentlichen Menü gab’s reichlich und supergutes Brot (vom Bäcker nebenan), das zum Sattwerden vor dem Essen verführte. Und dann auch noch einen Gruß aus der Küche – auf der Haut gebratener Wolfsbarsch und Linsen, voller Geschmack und die Weichenstellung in eine kulinarisch erfreuliche Reise. Die begann dann nach dem zwiefachen Vorspiel mit einer Galantine von Perlhuhn und Garnele im Himbeer-Paprika-Sabayon, bei der geschmacklich alles bestens hamonierte. Lediglich die Farbigkeit litt – trotz auch würzendem Grünkräutereinsatzes – etwas. Mehr rot, weniger braun hätten dem Sabayon-Spiegel gut getan. Unser Wein dazu: Ein 2014 Weingut Zottl Riesling Smaragd aus der Wachau. Beim Probierschluck vor dem Essen ein Achselzuck-Kandidat (was heißen soll: ob der uns schmecken wird???) – dann zum Essen mit seiner knackiger Säure und Botrytis ein guter Begleiter.

Zum Rote Bete Consommé mit geräuchertem Knusperei und Wasabi-Erbsen-Raviolo hatten wir uns einen Wein-Wechsel gewünscht: Statt des roten 2013 Weingut Zahel „Zahel Komposition“ Wien, Österreich war uns mehr nach dem 2014 Penfolds Chardonnay Koonunga Hill, Südaustralien aus dem vegetarischen Menü (drei Gänge übrigens, aber die haben wir zusätzlich nicht geschafft…). Die Consommé war freilich nicht nur von der Bete, sondern da war auch kräftig Rind mit drin. Der Suppe tat’s gut, da steckte ordentlich Kraft drin – der Wein wäre dann aber doch vielleicht besser der Rote gewesen mit seiner Cuvée aus Zweigelt, Sankt Laurent und Blaufränkisch. Aber so gab es wenigstens nicht einen permanenten weiß-rot-Wechsel, denn zum Kabeljau und Kreuzkümmel im Nussbutterschaum mit Zitrone, Blumenkohl und Kichererbsenkrapfen wurde ein 2013 Château de Pibarnon Blanc Bandol, Südfrankreich gereicht. Der Kabeljau war außen kross und innen saftig, der Kichererbsenkrapfen weniger der Brüller als das Sößchen. Aber übrig blieb nichts, muss ja auch mal gesagt werden…

…wobei es langsam eng wurde mit der Aufnahmefähigkeit. Die Portionen im Le Bambou sind zwar an die Zahl der Gänge angepasst (nebenan aßen sie nur Vor- und Hauptspeise, da war deutlich mehr auf den Tellern), aber die hohe Schule der kleinen Portionen, die am Ende doch ausreichend sind, geht noch reduzierter: Geschmortes Ochsenbäckchen im Schalotten-Rotweinlack mit schwarzer Walnuss, getrüffeltem Kartoffelpüree und Speckapfel war zwar eine Geschmacksbombe, aber eben auch bombig viel. Unser Wein dazu dann doch ein Roter: 2013 Montes Twins Malbec Cabernet Sauvignon Vallee Central, Chile. Wir schafften nicht alles, konnten Koch und Kellner aber beruhigen: nur zu viel.  Zumal ja noch ein bissl Platz bleiben sollte fürs Dessert, das auch nicht nach Magerkost klang: Erdnuss, Karamell und Mascarpone mit getrockneten Kirschen und knuspriger Banane, zusammen mit der edelsüßen 2013 Weingut Dreissigacker Bechtheimer Stein Cuvee Beerenauslese aus Rheinhessen serviert, auszulassen wäre nämlich in der Tat die grundverkehrte Entscheidung gewesen.

„Es stimmt eben immer noch, dass die wahren Entde­ckungen nicht direkt am Wegesrand liegen“, beschließt Jens Schneider seinen eingangs erwähnten Beitrag. Wohl wahr.

Le Bambou
Obergasse 1
09599 Freiberg

Tel. 03731 / 353921
www.lebambou.de

Geöffnet:
Mo – Sa ab 18 Uhr
Mi und Fr 11.30 -14.30 Uhr
So nach Absprache

[Besucht am 19. März 2016| Übersicht der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]

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Le Bambou 50.912690, 13.334310 RestaurantkritikenLe Bambou, Obergasse, Freiberg, Deutschland (Routenplaner)
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