Fast wie in Italien – nur auf der Elbe

Kochsternstunden 2020: Im Kahnaletto genießt man sein italienisches Menü auf der Elbe

KSS Kahnaletto

Wie oft gibt’s das eigentlich in Dresden, dass ein Restaurant seit 26 Jahren sein Ding macht? Und das dann auch noch gut – wenn auch (immer noch, nach mehr als einem Vierteljahrhundert!) für viele Einheimische unterhalb des Ausgehradars (auch wir waren lange nicht da)? Die Rede ist vom Kahnaletto, dem Restaurant auf dem Theaterkahn. Auf der Elbe schwimmt man hier nicht gegen und schon gar nicht mit dem Strom, sondern bietet (schon immer, wenn die Erinnerung nicht trügt) eine bemerkenswert feine italienische Küche an.

Kahnaletto ist ein Kunstwort. Vorne geschrieben wie der Kahn, den sich das Restaurant seit Oktober 1994 zusammen mit dem von Friedrich Wilhelm Junge gegründeten Theater teilt, und hinten wie Canaletto, der für chice Stadtansichten verantwortlich zeichnet (der berühmte „Canaletto-Blick“ des rechten Elbufers unterhalb der Augustusbrücke aus dem Jahr 1748 zeigt den Kahn „Marion“ freilich nicht!).

Für die Kochsternstunden hat sich Chefkoch Uwe Brauer ein Menü ausgedacht, bei dem man am besten nichts gegen Zitronen hat: sie kommt in jedem Gang vor (wobei es natürlich verwegen wäre, da jetzt von einem roten Faden zu schreiben…), ohne dass es langweilig oder eintönig würde. Im Gegenteil.

KSS Kahnaletto – das MenüMit einem ganz wunderbaren Salat ging es los. Einen Spaß hat sich die Küche da auch ganz unauffällig gemacht, denn die Zutaten zeigten – richtige Drehung des Tellers vorausgesetzt – die italienische Flagge. Fürs Grün sorgten hautsächlich die Zucchini, fürs Rot der Radicchio. Und das Weiß besorgte eine breite Scheibe Grana Padano – kein blütenweiß, aber dafür die passende umami-Ergänzung zum bitteren Radicchio und den eher süßlichen Zucchini. Säure lieferte, wen wundert’s, die Sorrenter Zitrone im sehr feinen Dressing. Wir waren froh, nicht automatisch den vom (im übrigen so flinken wie freundlichen und obendrein nett erklärenden) Service gebrachten Balsamico genommen zu haben – der hätte doch alles Subtile versaut.

Das Farbspiel grün-weiß-rot fand sich – in der Anordnung nicht mehr klassisch wie bei einer Fahne, sondern dekonstruiert bunt durcheinander – beim Pastagang wieder. Hier bekamen wir nun tatsächlich wehmütig italienische Erinnerungen, denn dort gehört Pasta vor dem Hauptgang ja zum Muss. Die Zitronenlinguine waren so, wie es sich gehört: mengenmäßig korrekt, feine zitronig-sahnige Sauce, ordentlich Garnelen, schmackhafte Kirschtomaten und Kapern (die, einziges winziges Manko für uns beim ganzen Menü, nicht wirklich wie Salzkapern schmeckten).

KSS Kahnaletto – GetränkebegleitungAn dieser Stelle ein paar Anmerkungen zur Getränkebegleitung. In diesem Jahr hat das Kahnaletto das Weingut Rallo (Sizilien) zum bootseigenen Weingut des Jahres erkoren. Eine sehr gute Idee, denn auf diese Weise gibt’s die großteils reinsortig ausgebauten Bio-Weine höchster Qualität zu einem sehr kundenfreundlichen Preis (auch das ist ja fast wie in Italien!). Wir starteten unser Menü mit einem Glas SOLERAS Riserva Ventanni Vergine, DOC Marsala. Eigentlich ein Dessertwein, der 20 Jahre im Holzfass reifte und grandios zu Cannoli oder Blauschimmel passen würde – aber, lesen wir auf der Webseite von Rallo, „wenn er kalt serviert wird, ist er ein toller Aperitif.“ Kann ich bestätigen!

Zum Salat gab es mit dem 2017 Carta d’Oro I.G.P., Terre Siciliane einen leichten Weißwein, eine Cuvée aus verschiedenen der bei Rallo meist (oder sogar ausschließlich?) autochthonen alten sizilianischen Rebsorten. Ein Terrassenwein im besten Sinne! Die Pasta begleitete ein 2018 „Al Qasar“ Zibibbo, Sicilia DOP. Dahinter verbirgt sich die trockene Version der Aromatraube Zibibbo, mit angenehmen Anklängen von Pfirsich, Mandeln und Orangenblüten. Der Name Al Qasar ist arabischen Ursprungs und bedeutet Festung, Burg, aber auch Zentrum, Hauptstraße. „Die Wahl des arabischen Namens wird durch die Tatsache bestimmt, dass Zibibbo von den Arabern in unser eigenes Land importiert wurde. In Patti Piccolo gehen die Weinberge von Zibibbo nach Südosten, genau wie das Mekka für diejenigen, die es von Italien aus suchen“, entnehmen wir der Webseite von Rallo.

Den gleichen Wein gab’s dann auch zum Fisch, zum Schwarzfederhuhn wurde der 2017 Il Manto Nero d’Avola, Sicilia DOP gereicht. „Ein potenzieller Lieblingswein mit sehr mediterranem Profil“, schreibt unser Lieblingsweinhändler für gute Italiener und hat nur bedingt Recht: wieso potentiell? Er ist’s! Der Limoncello, den man auf dem Bild sieht, ist übrigens nicht von Rallo, gehört auch nicht zum Menü – aber er musste sein. Endlich mal was mit Zitrone!

Unser Menü

  • Winterliche Blattsalate | Zucchini | Sorrenter Zitrone | Olivenöl | Grana Padano
  • Zitronenlinguine | Garnelen | Salzkapern | Kirschtomaten
  • Skreifilet | Olivenkruste | Soße von Sorrenter Zitrone | Kartoffelpüree | Bottarga | umbrische Linsen
    oder
    Brust vom Schwarzfederhuhn | Salzzitrone | Thymian | Soße vom sizilianischen Marsala vom Weingut Rallo | Gnocchi mit Haselnuss
  • Sorrenter Zitronenkuchen | Sorbet von Bergamotte | Cannolo mit Ricotta und kandierten Agrumen

Weinbegleitung

  • Weine vom Bio Weingut Rallo Sizilien

Menü-Preis

  • 3-Gänge-Menü 42,00 €
  • 4-Gänge-Menü 48,00 €
  • Weine vom Bio Weingut Rallo Sizilien 16,00 €
  • Aperitiv, Weiß- und Rotwein inkl. Mineralwasser 20,00 €

Restaurant Kahnaletto
Terrassenufer / Augustusbrücke
01067 Dresden

Tel. 0351 / 495 30 37
www.kahnaletto.de

Öffnungszeiten:
Di, Mi, Do, So:  12 bis 15 Uhr und 17:30 bis 23 Uhr
Fr, Sa: 12 bis 15 Uhr und 17:30 bis 24 Uhr

[Besucht am 14.2.2020 | Übersicht der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]
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