Schöne Überraschungen und Geschmackserlebnisse

Kochsternstunden 2016: Schmidt's Restaurant in Dresden-Hellerau

Schmidt's Restaurant

Seit dem Sommer 2002 schon hält Schmidt’s Restaurant in Hellerau die Fahne des guten Geschmacks hoch – und am damals bei der Eröffnung wie heute so überflüssigen Apostroph im Namen fest. Aber wenn dieses kleine Zipfelchen der einzige Meckerpunkt bei einem Besuch während der Kochsternstunden bleibt, dann haben sie dort ja eigentlich alles richtig gemacht. Wir waren in kleiner Belegschaft da, aber nicht (wie sonst meistens) unerkannt und mit der dadurch leichteren Tester-Distanz. Aber ein Blick über den Teller- und Tischrand hinaus machte uns schnell klar, dass wir keine Sonderbehandlung bekamen: so soll das sein!

Das Schmidt’s hat eine kleine saisonale Karte und eine große Schiefertafel, die das nahezu täglich wechselnde Angebot aufnimmt und kundtut. Wenn wir nicht zum Kochsternstunden-Testen unterwegs gewesen wären, hätte es da eine Menge speichelflussfördernde Anregungen gegeben. Wir müssen also wieder kommen – am besten im Sommer, denn dann kann man nicht nur im modern umgestalteten Pförtnerhaus der Deutschen Werkstätten Hellerau sitzen, sondern auch im Hof – und der ist an lauen Sommerabenden ein Traum. Aber noch ist ja Winter und wir saßen drinnen.

Drei bzw. vier Gänge gehören zum Menü (39 – 49 €), dazu gibt es Weinempfehlungen (17,50 € / 22 €). Los geht’s, getränkemäßig, mit einem Glas Sekt. Das kann man sich auch als Apero zum (sehr frischen, leckeren) Brot schmecken lassen: Riesling Sekt trocken von Markus Pfaffmann aus der Pfalz. Feine Säure, dezente Frucht – den hätte es den ganzen Abend geben können und alles wäre gut gewesen! So tranken wir ihn zum Brot (mit dreierlei Aufstrichen, die allerdings sehr sparsam zugeteilt waren) und zur Suppe vorneweg. Rote-Bete-Essenz mit marinierter Lammzunge, Meerrettich-Dim-Sum und Boskop kam heiß auf den Tisch, was wir bei derlei Suppen ja immer begrüßen – und roch! Und überraschte im Geschmack: die Säure der Apfelstückchen, die Schärfe des Meerrettichs (den man sich natürlich erst aus dem Dim-Sum holen musste), die kräftige Essenz von der Roten Bete. Und dazu eine superzarte Zunge – und allen Zweiflern sei gesagt: die schmeckt gar nicht vordergründig nach Lamm, sondern nur gut!

Die Küche und der uns bestens bedienende Service waren flott, es folgte im gerade richtigen Abstand ein Croustillant von sächsischen Fischen mit Karpfen-Brandade, Blutorange und geröstetem Blumenkohl. Ein, wie andere sagen würden, Hammer-Gang. Etwas uneinsichtig und wuschig, aber mit einem Maul voll Geschmack. Wer keinen Fisch mag (soll’s ja geben): Fragen, ob das auch ohne geht – denn der Blumenkohl allein ist eine Probe wert. Dazu gab es einen 2014 Weißburgunder QbA trocken Dreissigacker, Rheinhessen, serviert in einem recht unscheinbaren Weißweinglas. Wir rochen – und rochen: nichts. Wir probierten – und schmeckten: nichts. Das kann doch nicht sein – denn die Weine von Jochen Dreissigacker kennen und schätzen wir ja sehr! Also gaben wir die nörgelnden Gäste und baten um größere Gläser – die es, mit frischem Wein gefüllt, auch gab! Wir rochen – und rochen: Pfirsich. Wir probierten – und schmeckten: Pfirsich, Mango, dezentes Holz. Ein sensationeller Wein, den man nie wieder im falschen Glas servieren sollte!

Den Roten (2013 Mompertone Monferrato DOC Prunotto, Piemont, Italien) gab’s in der gleichen großen Größe – das war aber schon so vorgesehen! Und passte. Der Hauptgang dazu: Kalbskotelett -rückwärts gegart- mit Kürbiskernjus, Radicchio, Steinchampignon und Gerstotto mit Butter vom Sächsischen Trüffel. Eine vergleichsweise sehr große Portion (wir aßen nicht auf, hörten aber, damit die ersten Nichtschaffer gewesen zu sein…) innerhalb eines Vier-Gang-Menüs. Geschmacklich war das freilich wieder ein Gang zum Schwärmen. Saftiges, rosa Kalb, das durch das abschließende Braten auch eine schöne Kruste hatte. Phänomenale Geschmacks-Kombination der Pilze im Zusammenspiel mit dem Gersten-Risotto, dem Jus und der Trüffelbutter, bei der die Geschmacksknospen mehr als gekitzelt wurden.

Fürs Dessert sahen wir schwarz. Ob wir Gebrannte Ziegenkäsetarte mit Kalamansi, schwarzen Walnüssen und Eis von „Dresdner Weißem Wunder“ schaffen würden? Ziegenkäsetarte ist ja nicht so der leichte Klassiker. Aber gemäß der Regel, dass Desserts ihren eigenen Magen haben, ging das prima. Und mit dem (hausgemachten) Eis lag ja auch eine köstliche Leichtigkeit auf dem Teller. Der Wein dazu ist, abweichend vom schon sehr früh gedruckten Kochsternstunden-Heft, ein edelsüßer Ungar: 2011 Oremus Tokaji Szamorodni – ein ebenbürtiger Ersatz.

Schmidt’s Restaurant
Moritzburger Weg 67
01109 Dresden

Tel. 0351 / 8044883
www.schmidts-dresden.de

Geöffnet:
Mo – Fr 11.30 – 14.30 Uhr und 17.30 – 23.00 Uhr
Sa 17 – 23.00 Uhr

[Besucht am 16. Februar 2016 | Übersicht der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]

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Schmidt’s Restaurant

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